Über’s vermissen.

 

Hallo. Du fehlst mir. So sehr.

 

Jeder Mensch, der in unser Leben tritt, wird es auch irgendwann wieder verlassen. Das ist immer sicher. Die Frage ist nur, wann. Die Antwort bei dir ist: Zu früh. Verluste gehören zu unserem Leben dazu, jeder von uns muss das irgendwann einmal im Leben feststellen. Verluste tun weh. Sie machen uns Bauchschmerzen und Kopfschmerzen. Festzustellen, dass die Welt sich einfach so weiterdreht, obwohl sie doch eigentlich aufhören müsste.

Ich habe es kommen sehen. Und konnte nichts machen. Ich wollte so sehr etwas machen. Doch alles was ich tun konnte, war, darauf zu starren was gerade passiert, was unausweichlich ist, und selbst starr bleiben.

Dein Mund. Deine Augen. Deine Stimme und dein Blick.

Wenn ein Mensch, der in deinem Leben einen großen Platz eingenommen hat, geht, schießt dir jemand einen Fußball in den Magen. Tritt dir vor’s Schienbein. Dein Kopf stößt gegen die blöde Ecke des Kackregals. Du bleibst mit deinem kleinen Zeh an der Kante des Betts hängen. Deine Welt verliert ein bisschen Licht. Ein paar Farben. Ein bisschen Musik.

Wie du rauchst. Wie du gähnst. Wie du lachst. Oh Gott – wie du lachst.

Du bist von heute auf morgen gegangen. Keine Eingewöhnungsphase. Schlag ins Gesicht. Und ich konnte nur starren. Starren, wie die ganzen letzten Wochen lang. Es war, wie ein Auto, das mit 80km/h geradeaus auf eine Mauer zu fährt. Der Ausgang war abzusehen, doch ich konnte nichts tun. Als ich den Abend vorher eingeschlafen bin, warst du da. Als ich den nächsten Abend eingeschlafen bin, warst du weg. Und seitdem nie mehr da. Kein Blick, kein Wort, keine Berührung. Keine große Abschiedsszene. Ich wollte so gerne eine große Abschiedsszene. Doch der Film endete ohne Cliffhanger.

Was du sagst. Deine Meinung. Deine Erfahrungen. Dein Wissen. Dein Humor.

Wenn ich morgens Kaffee koche, legt sich manchmal einfach so eine unsichtbare Hand um meinen Hals. Ich kann dann kurz nicht mehr atmen. Dann ist der Kaffee fertig. Ich fahre Auto und sehe auf einmal dein Gesicht vor mir. Dann wechsel ich die Spur. Ich hänge die Wäsche auf und höre deine Stimme. Dann mache ich die nächste Waschmaschine an. Die Welt dreht sich weiter und es fühlt sich alles so falsch an. Vielleicht hat sie ihre Richtung geändert.

Wie du auf dein Brötchen Ketchup schmierst. Wie du deinen Wecker immer weiter snoozt. Wie du schnarchst. Wie du von deinem Tag erzählst.

Überall bist du. Das hat schon Clueso erkannt. Die Stadt wird mir zu klein. Überall bist du. Du bist vor meiner Haustür. Du bist im Supermarkt. Du bist im Cafe. Im Restaurant. Im Fitnessstudio. Du bist auf dem Balkon. Du bist im Bad. Ich habe deine Zahnbürste weggeworfen. Und deinen ekligen Ketchup.

Wie du mitsingst. Wie du dich über Fußball aufregst. Wie du Pläne machst. Wie du von deinen Großeltern erzählst.

Du bist das Gesicht, wonach ich suche, wenn ich einen Raum betrete. Auch, wenn ich doch sicher weißt, dass du nicht hier bist. Nicht hier. Wo bist du hin? Wenn ich im Supermarkt stehe, und deine Lieblingskekse sehe, möchte ich sie nicht mehr kaufen. Ich bleibe immer einen Moment davor stehen. Manchmal vergesse ich kurz, dass du gar nicht mehr da bist. Etwas passiert, und ich will es dir erzählen. Dann fällt mir ein, dass du nicht mehr da bist. Wo bist du?

Deine Fratzenbilden. Deine Nachrichten. Deine Anrufe. Dein Geruch. Deine Haare – oh Gott, deine Haare.

Wann hört das denn auf? Tut es das denn überhaupt? Heilt Zeit alle Wunden? Wer hat das gesagt? Woher weiß der das? Mit universal gültigen Aussagen hatte ich schon immer meine Probleme. Jeder Mensch hinterlässt in unserem Leben Spuren. Ich glaube, manche im Sand, manche aber auf noch flüssigem Beton. Du bist immer noch mein erster Gedanke am morgen und der letzte, bevor ich einschlafe. Du bist immer noch da, auch seit du weg bist. Du bist so sehr da aber fehlst so sehr. Heute morgen habe ich Ketchup auf mein Brötchen getan.

Du.Du.Du.Du. Einfach Du.

 

2 Kommentare zu „Über’s vermissen.

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